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Es gibt auch Natur unter der Wasseroberfläche

Der Angelsportverein Landshut informiert auf der internationalen Fachmesse Jagd, Fisch & Natur

Wer glaubt, Angeln heißt einfach Fische aus dem Wasser ziehen, irrt sich gewaltig. Angeln ist ein Naturerlebnis. Damit das so bleibt, ist mit dem Recht zur Fischerei die Pflicht zur Hege verbunden. Sie zählt zu den zentralen Aufgaben der Vereine und Verbände im Land. Sie sind anerkannte Naturschutzorganisationen. Auf der Jagd, Fisch & Natur in Landshut finden die Besucher daher neben Ausrüstung und Zubehör für die Petrijünger umfangreiche Informationen über den Gewässerschutz und die Artenvielfalt in bayerischen Gewässern.

Der Angelsportverein Landshut (ASV), mit 3000 Mitgliedern größter Angelsportverein Bayerns, bewirtschaftet rund 480 Hektar Gewässerfläche von Landshut bis Dingolfing, drei Isarstaustufen, Bäche, Weiher und Sickergräben. Und er warnt: Früher waren 75 Fischarten in unseren Gewässern heimisch. Heute sind 80 Prozent davon gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Gewässerbau, Verschlammung, Klimaerwärmung aber auch eingewanderte Arten gefährden die Artenvielfalt, verschieben oder verfälschen das Artenspektrum. „Wir wollen ein möglichst breites Publikum darauf aufmerksam machen, dass es auch Natur unter der Wasseroberfläche gibt“, sagt Dr. Manfred Forster, 1. Vorsitzender des ASV. Und so laden auf der Messe ein Fischteich, ein Aquarium und ein Krebsbecken die Messebesucher ein, das auf den ersten Blick nicht sichtbare, aber dennoch bewegte Leben unter Wasser zu entdecken. Fachliche Auskunft durch Vereinsmitglieder vor Ort inbegriffen.

Was Hege denn eigentlich bedeutet, wird auf der Messe selbstverständlich auch vermittelt. Die Angelsportvereine überwachen die Wasserqualität. Sie beraten beim Bau von Staumauern, Wehren oder Wasserkraftanlagen hinsichtlich Fischtreppen und Umgehungsgerinnen, um zu verhindern, dass Fische in ihrer Laichwanderung ausgebremst und verletzt werden. Sie schaffen, um die heimische Fischfauna trotz der veränderten Umweltbedingungen zu erhalten, passende Rückzugsgebiete für bedrohte Arten. Bei Fischarten, die sich nicht mehr selbst reproduzieren, setzen sie Jungfische oder Fischbrut aktiv in die Gewässer ein. Beim ASV beträgt das Besatzvolumen jährlich rund 150.000 Euro. Nur 10 Prozent davon werden über Artenschutzprogramme gefördert, den Rest des Betrages bringen die Vereinsmitglieder auf. Der Fischbesatz kostet nicht nur Geld, sondern auch viel ehrenamtliche Arbeitszeit. „Junge Hechte müssen beispielsweise einzeln in Weiher eingesetzt, sorgsam betreut und Schritt für Schritt an die Wasserqualität gewöhnt werden“, sagt Forster. Im Fall der Bachforelle werden Brutkästen mit befruchteten Eiern eingesetzt. Bis der Nachwuchs schlüpft, müssen sie täglich betreut und kranke Eier mit einer Pinzette entfernt werden. Mühevoll, aber notwendig, denn nur so passen sich die Forellen an das Leben in dem Gewässer an.

All das macht deutlich: Angeln oder, wie man in Bayern sagt, Fischen ist viel mehr als ein Hobby. Es braucht Liebe zur Natur und die Bereitschaft, etwas für ihren Erhalt zu tun. Dann kann man die Ruhe beim Auswerfen der Angel genauso genießen wie das Fangergebnis. Kostproben, beispielsweise frittierte Weißfischstreifen, gibt es am ASV-Stand auf der Jagd, Fisch & Natur in Halle 9. Frisch aus heimischen Gewässern versteht sich. Wer will schon Fisch, der um die halbe Welt geflogen wurde.

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