Sehr erfreulich ist zwar, dass gemäß WRRL der chemische Zustand bei 99 % der Flusswasserkörper als gut eingestuft wird. Ganz anders sieht es hingegen bzgl. der Hydromorphologie aus. 21 % der Flusswasserkörper wurde als gut, 45 % als mäßig und 33 % als mäßig bis schlecht klassifiziert. Damit hat erst ein Fünftel der Flusswasserkörper das WRRL-Ziel „guter ökologischer Zustand" bereits erreicht. Für 18 % ist eine Zielerreichung bis 2015 vorgesehen. Für 61 % der Flusswasserkörper ist mit der Zielerreichung erst zwischen 2015 und 2027 zu rechnen.
Die Durchgängigkeit der Fließgewässer ist ein zentraler Punkt der WRRL. In den letzten Jahren wurden unter Miteinbeziehung des LFV Bayern alle Querbauwerksobjekte innerhalb der „Fischfaunistischen Vorranggewässer" erfasst und bewertet. Von rund 23.000 erfassten Objekten waren 11.000 nicht fischdurchgängig. In der Konzeptphase II fand einen fachliche Priorisierung bzgl. der Wiederherstellung der Durchgängigkeit statt. Auch hier war der LFV Bayern im Rahmen der Projekte im Jahr 2010 beteiligt. Die Querbauwerksobjekte wurden auf Basis einer „Entscheidungsmatrix" mit zeitlich vorrangigem Handlungsbedarf priorisiert. Der Entwurf der Ergebnisse wurde nach Einarbeitung der Hinweise aus den verwaltungsinternen Abstimmungsrunden im Herbst 2010 in runden Tischen auf regionaler Ebene unter Beteiligung der Bezirksfischereiverbände vorgestellt und diskutiert. In der folgenden Konzeptphase werden nun auf Ebene der Wasserwirtschaftsämter Umsetzungskonzepte erarbeitet.
Es ist klar ersichtlich, dass es für alle Beteiligten noch sehr viel zu tun gibt. Der LFV Bayern arbeitet im Rahmen der Projekte standing daran, Wissensdefizite zu beseitigen und Verantwortliche zum Handeln zu bewegen. Es wurden vom LFV Bayern beispielsweise Methoden entwickelt, wie sich Teillebensräume schaffen oder auch restaurieren lassen. Mit welch einfachen Mitteln die Lebensräume für die heimische Fischfauna verbessert werden können, belegt die Broschüre „Lebensraum Fließgewässer - Restaurieren und Entwickeln - Effektive Sofortmaßnahmen an regulierten Gewässerabschnitten". Die Broschüre „Eingriffe in Fließgewässer - Möglichkeiten der Kompensation" soll dazu beitragen, dass Eingriffe in Fließgewässer zukünftig auch wirklich ausgeglichen werden. Dies war in der Vergangenheit oft nicht der Fall, sonst wäre der Handlungsbedarf heute auch nicht so groß. Gerade im Hinblick auf die Energiewende und in diesem Zusammenhang auf den Ausbau der Wasserkraft ist in Zukunft größtes Augenmerk zu legen.
Nicht erst seit der Energiewende, sondern seit dem der Klimaschutz als politisches Ziel weltweit an Bedeutung gewinnt, entstand ein regelrechter Wasserkraftboom. Auch in Bayern und den benachbarten Alpenländern gibt es insbesondere für den Neubau von kleinen Wasserkraftwerken eine Flut von Anträgen. Das hohe Wasseraufkommen der Alpenregion in Verbindung mit dem großen Gefälle kommt hier zum Tragen. Es gibt mittlerweile eine Reihe von so genannten Ökolabels, die den Stromkunden suggerieren, dass der bevorzugte Kauf von Strom aus Wasserkraft gut für die Umwelt sei. Die ökologischen Auswirkungen und fischereilichen Schäden sind dem Verbraucher oft nicht bekannt und werden von der Wasserkraft verschwiegen. Der LFV Bayern beschäftigt sich im Rahmen mehrerer Projekte mit den gesamtökologischen Schäden als Folge der Wasserkraftnutzung. Durch die Aktivitäten des LFV konnten die weit reichenden negativen Folgen der Wasserkraftnutzung auf die Gewässerlebensräume vielen Entscheidungsträgern nahe gebracht werden. Inwieweit durch die Arbeit des Verbands der Ausbau der Wasserkraft gebremst werden kann, bleibt abzuwarten.
Für den Erhalt gefährdeter Arten setzt sich der LFV Bayern u.a. mit den Artenhilfsprogrammen sowie den Projekten bzgl. der Problematik fischfressender Vögel ein. In Zusammenhang mit der Erarbeitung von entsprechenden Allgemeinverfügungen, die auf einen Landtagsbeschluss von Mai 2009 zurückgehen und der Wahl des Kormorans zum Vogel des Jahres 2010 war der Verrband im vergangenen Jahr bzgl. dieser Problematik überdurchschnittlich stark gefordert. Neben zahlreichen Stellungnahmen und Presserklärungen wurde auch die kleine Kormoranbroschüre aufgrund hoher Nachfrage neu aufgelegt. Es wurden speziell zum Thema Kormoran einen ganze Reihe von Vorträgen gehalten.
Die Projektergebnisse warden in Broschüren veröffentlicht, die während der MEsse ausliegen und ie als download (www.lfvbayern.de/arten-und-gewaesserschutz/veroeffentlichungen) abrufbar sind.